Welches Mobilfunknetz ist an Ihren Orten das beste?
In Deutschland gibt es vier Mobilfunknetze: D1 (Telekom), D2 (Vodafone), o2 (Telefónica) und das E-Netz von 1&1, das schrittweise ein eigenes Netz aufbaut. Welches Netz für Sie das beste ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Die jährlichen Tests der Fachmagazine zeigen eine stabile Rangfolge. Entscheidend ist aber, wie gut das Netz an Ihren Orten funktioniert: zu Hause, am Arbeitsplatz, auf dem Weg dorthin. Deshalb hilft eine Kombination aus offiziellen Abdeckungskarten und eigenen Realtests.
Die vier Netze im Überblick
Die drei großen Netze bestehen seit den 1990er-Jahren und decken fast ganz Deutschland ab. Die Telekom betreibt das D1-Netz, Vodafone das D2-Netz und Telefónica das o2-Netz. Das E-Netz von 1&1 ist der Neuling: Es nutzt zunächst Mietkapazitäten anderer Netze und baut eigene Masten auf. In den großen Netztests zählt 1&1 deshalb noch nicht als unabhängiger Betreiber.
Viele Discounter-Tarife nutzen eines dieser Netze, ohne dass es auf der Rechnung steht. Wenn Sie einen Tarif bei Aldi Talk, Congstar oder ähnlichen Anbietern abschließen, sollten Sie vorher prüfen, in welchem Netz er funktioniert. Die Netzqualität hängt vom zugrunde liegenden Netz ab, nicht vom Markennamen des Tarifs.
Was die großen Tests zeigen
Die Magazine CONNECT, CHIP und ComputerBILD testen die deutschen Mobilfunknetze mindestens einmal pro Jahr. Die Stiftung Warentest testet unregelmäßig. Das Ergebnis ist seit Jahren stabil: Die Telekom führt, Vodafone folgt, und o2 hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Alle drei großen Netze haben in den Tests mindestens einmal die Note „sehr gut" erhalten.
Diese Tests sind ein guter erster Anhaltspunkt. Sie messen aber Durchschnittswerte über viele Orte und Situationen. Ein Netz, das bundesweit vorn liegt, kann an Ihrem Wohnort schwächer sein als ein Konkurrenznetz. Die Testergebnisse sagen Ihnen, wie gut ein Netz im Schnitt ist, nicht wie gut es bei Ihnen zu Hause ist. Für die Entscheidung brauchen Sie deshalb zusätzlich Informationen zu Ihren Orten.
Die offizielle Netzabdeckungskarte der Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur stellt eine interaktive Karte bereit, auf der Sie die Verfügbarkeit von 2G, 4G und 5G für jede Adresse in Deutschland prüfen können. Sie geben einfach Ihre Adresse oder Koordinaten ein und sehen, welche Netze dort welche Technologie anbieten. Die Karte zeigt auch geplante Ausbauten und verfügbare Tarife. Zusätzlich können Sie die Festnetzverfügbarkeit mit Glasfaser, VDSL oder DSL abrufen, was bei der Entscheidung zwischen Mobilfunk und Festnetz hilfreich ist.
Die Daten für diese Karte liefern die Betreiber selbst, die Bundesnetzagentur prüft sie und veröffentlicht die Meldungen. Das bedeutet: Die Karte zeigt die theoretische Abdeckung, nicht die tatsächliche Geschwindigkeit oder Stabilität. Die Angaben können optimistisch sein, weil sie auf Berechnungen und Messungen der Betreiber beruhen. Eine gute Abdeckung auf der Karte heißt nicht automatisch, dass Sie in Ihrem Wohnzimmer schnelles Internet haben.
Realtests an Ihren Orten
Mobilfunk ist ein geteiltes Medium. Die Qualität, die Sie erleben, hängt von Ihrem Standort, Ihrem Vertrag, Ihrem Gerät und der Auslastung der Funkzelle ab. Selbst wenn die Karte gute Abdeckung zeigt, kann das Netz zu Stoßzeiten überlastet sein. Deshalb ist ein eigener Test an Ihren typischen Aufenthaltsorten der zuverlässigste Weg.
So gehen Sie vor: Besorgen Sie sich eine Prepaid-Karte des Netzes, das Sie testen möchten, oder nutzen Sie eine Testoption des Anbieters. Viele Anbieter bieten unkomplizierte Testtarife an. Dann messen Sie an den Orten, die für Sie wichtig sind: in der Wohnung, im Büro, auf dem Weg zur Arbeit. Führen Sie die Tests zu verschiedenen Zeiten durch, zum Beispiel morgens, abends und am Wochenende, weil die Auslastung stark schwankt. Testen Sie auch im Gebäude, nicht nur draußen, denn Wände und Keller beeinflussen den Empfang erheblich.
Ein einzelner Test sagt wenig. Erst wenn Sie mehrere Messungen an verschiedenen Tagen und Orten haben, sehen Sie ein verlässliches Bild. Notieren Sie sich die Ergebnisse und vergleichen Sie die Netze an denselben Orten.
Entscheidung nach Aufenthaltsorten
Überlegen Sie, wo Sie die meiste Zeit verbringen. Für die meisten Menschen sind das zwei oder drei Orte: die Wohnung, der Arbeitsplatz und die Strecke dazwischen. Prüfen Sie für diese Orte zuerst die Karte der Bundesnetzagentur. Wenn dort für Ihr Wunschnetz eine gute Abdeckung angezeigt wird, machen Sie den Realtest.
In ländlichen Gebieten sind die Unterschiede zwischen den Netzen oft größer als in Städten. Hier lohnt sich der Blick auf die Karte besonders, weil einzelne Täler oder Ortschaften unterschiedlich versorgt sein können. In Innenstädten haben meist alle Netze eine gute Abdeckung, aber die Zelllast kann zu bestimmten Zeiten hoch sein, etwa in der Mittagspause oder bei Großveranstaltungen. Wenn Sie viel mit der Bahn pendeln, testen Sie entlang der Strecke, denn die Verbindung bricht auf manchen Abschnitten regelmäßig ab.
Eine einfache Entscheidungsregel: Wenn Sie die meiste Zeit an zwei Orten verbringen, entscheidet die Qualität an diesen Orten. Ein Netz, das dort zuverlässig funktioniert, ist für Sie besser als ein Netz, das bundesweit vorn liegt, aber an Ihrer Wohnung schwächelt.