Smartphone reparieren: Selber machen oder einschicken?

Bei einem gesprungenen Display oder einem schwachen Akku müssen Sie wählen: selbst reparieren, freie Werkstatt oder Herstellerservice. Die Entscheidung hängt vom Schaden, vom Gerät und von der eigenen Erfahrung ab.

Apple und Samsung verlangen für einen Display-Tausch mehr als 250 Euro. Freie Werkstätten sind günstiger, arbeiten aber nicht immer sauber. Selbst schrauben spart Geld, riskiert aber Folgeschäden. Die Reparierbarkeitsklasse auf dem Energielabel hilft nur bedingt.

Was der Display-Tausch kostet

Der häufigste Schaden ist das gebrochene Display. Bei Apple und Samsung zahlen Sie für den Austausch über 250 Euro. Dafür bekommen Sie einen Originalbildschirm, der nach dem Einbau einwandfrei funktioniert. Der Service dauert in der Regel ein paar Tage, weil Sie das Gerät einschicken oder im Laden abgeben müssen.

Freie Werkstätten verlangen oft deutlich weniger. Der Preisunterschied entsteht, weil sie günstigere Ersatzteile verwenden oder geringere Stundensätze haben. Das Ergebnis ist allerdings nicht immer überzeugend. Manche Werkstätten verbauen Displays, die schlechtere Farben zeigen oder deren Touch weniger präzise reagiert. Auch die Abdichtung gegen Wasser und Staub leidet, wenn der Kleber nicht fachgerecht aufgetragen wird. Fragen Sie vor der Reparatur, ob die Werkstatt Originalteile oder zertifizierte Nachbauten verwendet und ob sie eine Garantie auf die Arbeit gibt.

Die Reparierbarkeitsklasse sagt weniger, als sie verspricht

Seit einigen Jahren müssen Smartphones in der EU ein Energielabel tragen, das auch eine Reparierbarkeitsklasse von A bis G angibt. Die Klasse A steht für besonders gut reparierbare Geräte. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt jedoch, dass diese Einstufung nur begrenzt aussagekräftig ist. Sowohl das Motorola G56 5G als auch das Fairphone 6 tragen die Bestnote A. Beim tatsächlichen Reparieren unterscheiden sich die Geräte aber deutlich: Das Fairphone lässt sich mit wenigen Handgriffen öffnen, viele Bauteile sind modular aufgebaut und ohne Spezialwerkzeug austauschbar. Beim Motorola müssen Sie dagegen das Display aufwendig erhitzen, um es vom Rahmen zu lösen, und riskieren dabei, das Glas zu zerstören.

Die Warentester haben ihre Bewertung anhand von Reparaturanleitungen und YouTube-Videos erstellt. Wenn Sie ein Gerät kaufen möchten, das Sie später selbst reparieren wollen, sollten Sie sich also nicht allein auf die Klasse A verlassen. Suchen Sie sich vor dem Kauf ein Video an, das den Display- oder Akkuwechsel zeigt, und schätzen Sie ein, ob Sie diese Arbeit zutrauen.

Selbstreparatur mit offiziellen Kits

Apple und Samsung bieten inzwischen offizielle Self-Repair-Kits an. Sie enthalten Originalersatzteile und passendes Werkzeug, sodass Sie den Display- oder Akkuwechsel selbst durchführen können. Die Stiftung Warentest hat solche Kits getestet. Der Redakteur Martin Gobbin hat damit ein iPhone und ein Samsung-Gerät repariert und berichtet, was dabei schiefgehen kann.

Das größte Risiko ist die eigene Ungeduld. Beim Displaywechsel müssen Sie das alte Glas vorsichtig ablösen, Klebereste entfernen und das neue Display exakt positionieren. Wer das zum ersten Mal macht, braucht dafür mehrere Stunden und ein ruhiges Händchen. Wenn Sie das Display dabei zu stark biegen oder den Stecker schief aufsetzen, ist das neue Teil beschädigt und Sie haben das Geld umsonst ausgegeben. Auch der Akkutausch ist heikel: Wenn Sie den Akku mit einem scharfen Werkzeug anstechen, kann er sich entzünden.

Dafür sparen Sie bei der Selbstreparatur den Arbeitslohn der Werkstatt. Ob sich das rechnet, hängt vom Gerät und vom Ersatzteilpreis ab. Bei einem aktuellen Oberklasse-Gerät ist der Displaypreis so hoch, dass die Ersparnis beim Arbeitslohn im Vergleich gering ausfällt. Der Aufwand lohnt sich dann vor allem, wenn Sie ohnehin mehrere Reparaturen durchführen möchten.

Wann sich die Selbstreparatur lohnt

Für die Entscheidung hilft eine einfache Faustregel. Wenn Ihr Gerät noch unter Garantie oder Gewährleistung steht, lassen Sie die Reparatur vom Hersteller machen, sonst erlischt der Anspruch. Das gilt auch für Schäden, die durch einen Sturz entstanden sind, wenn Sie eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben.

Wenn das Gerät älter als zwei Jahre ist und Sie handwerklich geschickt sind, lohnt sich der Blick auf ein Self-Repair-Kit. Schauen Sie sich vorher ein Reparaturvideo an und prüfen Sie, ob Sie die nötigen Schritte nachvollziehen können. Wenn Sie unsicher sind, ist eine freie Werkstatt die bessere Wahl. Suchen Sie sich eine, die auf Ihr Gerätemodell spezialisiert ist und nachweisen kann, dass sie schon ähnliche Reparaturen durchgeführt hat. Fragen Sie nach der Garantie auf die Reparatur und danach, ob das Gerät nach dem Eingriff wieder staub- und wasserdicht ist.

Ein Sonderfall ist der Akkuwechsel. Viele Smartphones sind so verklebt, dass der Austausch nur mit Wärme und Spezialwerkzeug gelingt. Wenn Sie das Gerät dabei beschädigen, ist der Schaden oft größer als der Nutzen. Bei Modellen mit Wechselakku, wie dem Fairphone, ist die Selbstreparatur dagegen unkompliziert und für jeden machbar.