Prepaid oder Vertrag? So finden Sie den passenden Tariftyp
Fast jeder steht irgendwann vor der Frage: Prepaid oder Vertrag? Bei Prepaid laden Sie zuerst Guthaben auf und telefonieren dann; beim Vertrag zahlen Sie die Leistungen am Monatsende.
Ob Prepaid oder Vertrag passt, hängt von drei Dingen ab: wie viel Sie nutzen, wie streng Sie Ihre Ausgaben kontrollieren wollen und wie flexibel Sie beim Anbieterwechsel bleiben möchten. Prepaid heißt Vorauszahlung, Vertrag heißt Nachzahlung per Rechnung. Diese Grundregel bestimmt, wie gut Sie Ihre Kosten kontrollieren, wie flexibel Sie bleiben und wie viel Aufwand ein Anbieterwechsel macht.
Was Prepaid von Vertrag unterscheidet
Bei Prepaid laden Sie vorab Guthaben auf, etwa per App, Online-Portal oder an der Ladenkasse. Erst wenn Guthaben vorhanden ist, können Sie telefonieren, simsen oder Daten nutzen. Verbrauchen Sie nichts, bleibt das Geld auf der Karte. Bei einem Laufzeitvertrag nutzen Sie die Leistungen zuerst und bezahlen später, meist per monatlicher Rechnung oder Bankeinzug. Der Vertrag bindet Sie für eine bestimmte Zeit und verlängert sich automatisch, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen.
Der Unterschied liegt nicht darin, ob Sie einen Vertrag haben. Auch Prepaid-Kunden schließen einen Vertrag mit dem Anbieter ab, der die Nutzungsbedingungen festlegt. Prepaid beschreibt nur die Zahlungsweise: erst Geld, dann Leistung. Diese Reihenfolge hat praktische Folgen: Sie kontrollieren Ihre Kosten besser und bekommen keine unerwarteten Rechnungen.
Ihr Verbrauch bestimmt die Wahl
Wer sein Datenvolumen und seine Gesprächsminuten gut einschätzen kann, hat es leichter. Ein Blick auf die letzten drei Monate hilft: Wie viele Gigabyte verbrauchen Sie im Schnitt, wie viele Minuten telefonieren Sie, wie viele SMS verschicken Sie? Diese Zahlen finden Sie in der App Ihres Anbieters oder im Online-Kundenportal.
Für Wenignutzer, die gelegentlich telefonieren und wenig surfen, reicht ein kleines Prepaid-Paket meist aus. Sie zahlen nur das, was sie tatsächlich brauchen, und können bei Bedarf ein Datenpaket dazubuchen. Für Vielnutzer, die täglich streamen, navigieren oder unterwegs arbeiten, wird Prepaid schnell teuer. Größere Datenpakete kosten pro Gigabyte oft mehr als in einem Laufzeitvertrag. Wer regelmäßig ein hohes Datenvolumen im Monat verbraucht, sollte die Preise größerer Vertragstarife vergleichen, bevor er sich für Prepaid entscheidet.
Eine Zwischengruppe bilden Nutzer mit schwankendem Verbrauch. In einem Monat surfen Sie viel, im nächsten fast gar nicht. Für diese Gruppe ist Prepaid attraktiv, weil Sie die Paketgröße flexibel anpassen können. Bei einem Laufzeitvertrag zahlen Sie jeden Monat denselben Betrag, auch wenn Sie das Volumen nicht ausschöpfen.
Wo die Kostenfallen liegen
Prepaid bietet die strengste Kostenkontrolle, weil Sie nur das ausgeben können, was auf der Karte ist. Sobald das Guthaben aufgebraucht ist, endet die Nutzung, es sei denn, Sie laden nach. Eine unerwartete Rechnung am Monatsende kann bei Prepaid nicht entstehen. Das schützt vor Kostenfallen, die bei Verträgen häufiger auftreten.
Die typischen Kostenfallen bei Laufzeitverträgen sind die Datenautomatik und die automatische Vertragsverlängerung. Die Datenautomatik bucht nach Verbrauch des Inklusivvolumens automatisch kostenpflichtige Zusatzpakete. Beide laufen im Hintergrund und erzeugen Kosten, ohne dass Sie aktiv etwas tun. Bei Prepaid gibt es diese Mechanismen in der Regel nicht, weil kein Guthaben vorhanden ist, aus dem der Anbieter abbuchen könnte.
Eine weitere Kostenfalle betrifft das Roaming im Ausland. Auch wenn die Roaming-Gebühren innerhalb der EU weitgehend abgeschafft sind, gelten Sonderregeln für Länder außerhalb der EU. Vor einer Reise sollten Sie prüfen, ob Ihr Tarif Roaming im Zielland einschließt oder ob Sie ein separates Auslandspaket buchen müssen. Diese Prüfung ist bei Prepaid und Vertrag gleichermaßen nötig, aber bei Prepaid begrenzt das Guthaben den möglichen Schaden.
Prepaid ist flexibler als der Laufzeitvertrag
Der größte praktische Unterschied liegt in der Vertragsbindung. Ein Laufzeitvertrag bindet Sie für die vereinbarte Dauer. Eine Kündigung ist nur zum Ende der Laufzeit möglich, und die Kündigungsfrist beträgt in der Regel drei Monate. Wer früher aus dem Vertrag möchte, zahlt oft eine Vorfälligkeitsentschädigung oder den Restwert des subventionierten Handys.
Prepaid-Tarife haben keine Mindestlaufzeit. Sie können den Anbieter jederzeit wechseln, das Guthaben verlieren Sie dabei allerdings. Diese Flexibilität ist wertvoll, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern. Zum Beispiel bei einem Umzug in eine Region mit schlechter Netzabdeckung des bisherigen Anbieters, bei einem neuen Arbeitgeber mit Firmenhandy oder bei einem deutlichen Rückgang des Datenverbrauchs. Bei einem Laufzeitvertrag müssen Sie diese Änderungen bis zum Vertragsende aussitzen.
Die Flexibilität von Prepaid hat aber eine Grenze. Wenn Sie ein neues Smartphone über den Tarif finanzieren möchten, brauchen Sie ein Ratenzahlungskonzept. Solche Konzepte sind oft an einen Laufzeitvertrag gekoppelt. Wer sein Handy separat kauft, umgeht diese Kopplung und kann Prepaid ohne Einschränkung nutzen.
Stolpersteine beim Anbieterwechsel
Der Wechsel von einem Laufzeitvertrag zu Prepaid oder umgekehrt scheitert häufig an formalen Hürden. Die wichtigste ist die Rufnummernmitnahme: Ihre bisherige Nummer können Sie zu einem neuen Anbieter mitnehmen, müssen aber die Kündigung des alten Vertrags fristgerecht einreichen. Die Portierung dauert in der Regel einige Werktage, in denen Sie kurzzeitig nicht erreichbar sein können.
Ein zweiter Stolperstein ist die automatische Verlängerung. Wenn Sie einen Laufzeitvertrag kündigen möchten, müssen Sie die Kündigungsfrist einhalten. Die Kündigung sollte schriftlich erfolgen, am besten per Einschreiben oder über das Online-Formular des Anbieters, damit Sie einen Nachweis haben. Eine mündliche Kündigung am Telefon genügt in vielen Fällen nicht.
Beim Wechsel zu Prepaid sollten Sie außerdem prüfen, ob Ihr altes Handy mit dem neuen Anbieter kompatibel ist. Zwar sind die meisten aktuellen Smartphones entsperrt und funktionieren mit jeder SIM-Karte, aber bei älteren Geräten oder solchen, die mit einem Vertrag gekauft wurden, kann eine Netzsperre bestehen. Eine Entsperrung ist nach Vertragsende meist kostenlos möglich, erfordert aber einen Antrag beim alten Anbieter.
Vier Fragen für die Tarifwahl
Statt sich von Werbeversprechen leiten zu lassen, sollten Sie Ihre Entscheidung auf vier Fragen aufbauen. Erstens: Wie hoch ist Ihr durchschnittlicher Monatsverbrauch an Daten, Minuten und SMS? Zweitens: Wie wichtig ist Ihnen eine feste Obergrenze für Ihre Ausgaben? Drittens: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie den Anbieter innerhalb der nächsten zwei Jahre wechseln möchten? Viertens: Benötigen Sie ein neues Smartphone über den Tarif?
Wenn Sie wenig verbrauchen, eine feste Obergrenze sehr wichtig finden, einen Wechsel wahrscheinlich halten und kein neues Smartphone über den Tarif brauchen, spricht viel für Prepaid. Wenn Sie viel verbrauchen, eine feste Obergrenze weniger brauchen, keinen Wechsel planen und ein neues Handy über den Tarif finanzieren möchten, ist ein Laufzeitvertrag die passende Wahl.
Für alle anderen Fälle lohnt ein Vergleich der tatsächlichen Kosten. Rechnen Sie aus, was Sie im Jahr mit Prepaid zahlen, wenn Sie Ihre üblichen Pakete buchen, und vergleichen Sie das mit den Jahreskosten eines Vertragstarifs mit ähnlichem Leistungsumfang. Beachten Sie dabei, dass Prepaid-Pakete oft monatlich neu gebucht werden müssen und dass ungenutztes Volumen in der Regel verfällt.