Gebrauchtes Smartphone kaufen: Checkliste fuer Zustand und Alltag

Ein gebrauchtes Smartphone kostet deutlich weniger als ein neues. Damit der Kauf nicht zum Fehlgriff wird, sollten Sie das Gerät vor dem Bezahlen gründlich prüfen. Diese Checkliste zeigt Ihnen, worauf Sie bei Konten, Akku, Display, Kamera, Speicher und Übergabe achten müssen.

Warum sich der Gebrauchtkauf lohnt

Gebrauchte Smartphones sind deutlich günstiger als neue Modelle. Ein iPhone 15 mit 128 GB kostet in der Zustandsstufe "Sehr gut" zum Beispiel deutlich weniger als ein Neugerät, ein iPhone SE (2020) mit 64 GB ist entsprechend günstiger. Die Leistung der meisten gebrauchten Geräte reicht für den Alltag völlig aus. Wer keine aufwendigen Spiele spielt oder Videos professionell bearbeitet, merkt im normalen Gebrauch kaum einen Unterschied zu einem Neugerät.

Refurbished-Händler verkaufen ihre Geräte in Zustandsstufen wie "Sehr gut", "Gut" und "Fair". Die Stufe beschreibt vor allem den optischen Zustand. Ein Gerät in der Stufe "Fair" kann äußerlich Gebrauchsspuren haben, aber technisch einwandfrei sein. Bei privaten Angeboten ist die Einschätzung schwieriger, denn ein Gerät kann äußerlich gut aussehen, obwohl es technische Mängel hat. Kleine Mängel, versteckte Sperren, schwache Akkus oder verbaute Billigteile fallen oft erst nach dem Kauf auf. Deshalb gehört zu jedem Gebrauchtkauf eine Prüfung, die nur wenige Minuten dauert.

Kontobindung und Sperren prüfen

Der wichtigste Punkt der Checkliste ist die Kontobindung. Ein iPhone mit aktiver Aktivierungssperre oder ein Android-Gerät mit fremdem Google-Konto ist nach dem Zurücksetzen nicht mehr nutzbar. Die Aktivierungssperre verhindert bei iPhones, dass das Gerät ohne die Apple-ID des Vorbesitzers eingerichtet werden kann. Bei Android-Geräten funktioniert der Kontoschutz ähnlich: Nach einem Zurücksetzen verlangt das Gerät das Passwort des zuletzt angemeldeten Google-Kontos.

Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf, ob der Verkäufer alle Konten entfernt hat. Bei einem iPhone sehen Sie in den Einstellungen unter dem eigenen Namen, ob "Mein iPhone suchen" aktiv ist. Ist das der Fall, ist die Aktivierungssperre eingeschaltet. Der Verkäufer muss "Mein iPhone suchen" deaktivieren, bevor er das Gerät übergibt, und das geht nur mit dem Passwort seiner Apple-ID. Bei Android-Geräten finden Sie in den Kontoeinstellungen, welche Google-Konten angemeldet sind. Der Verkäufer sollte alle Konten abmelden und das Gerät am besten in Ihrem Beisein auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Erst danach ist sicher, dass Sie das Gerät nach dem Kauf selbst einrichten können. Prüfen Sie außerdem, ob das Gerät eine SIM-Karte akzeptiert und nicht an einen Mobilfunkanbieter gebunden ist.

Akku, Display und Kamera prüfen

Akku

Der Akku ist das Verschleißteil, das den Alltag am stärksten beeinflusst. Ein iPhone zeigt den Batteriezustand in den Einstellungen unter "Batterie" an. Liegt die maximale Kapazität unter einem kritischen Wert, müssen Sie mit deutlich kürzeren Laufzeiten rechnen und eventuell einen Akkutausch einplanen. Bei Android-Geräten hängt die Anzeige vom Hersteller ab. Samsung zeigt den Akkuzustand in den Geräteeinstellungen oder in der Samsung-Members-App an, bei anderen Herstellern helfen Diagnose-Apps.

Achten Sie außerdem darauf, ob das Gerät beim Laden oder bei normaler Nutzung ungewöhnlich heiß wird und ob es sich ohne erkennbaren Grund ausschaltet. Beides deutet auf einen schwachen oder beschädigten Akku hin. Rechnen Sie die Kosten für einen Akkutausch in den Kaufpreis ein.

Display

Prüfen Sie das Display bei heller Umgebung auf Risse, Kratzer und tote Pixel. Ein weißes Bild zeigt Verfärbungen und eingebrannte Stellen am deutlichsten. Bei OLED-Displays kann ein eingebranntes Bild von Tastatur oder Statusleiste zurückbleiben, wenn das Gerät lange mit hoher Helligkeit gelaufen ist. Tippen Sie außerdem alle Bereiche des Bildschirms an, um sicherzugehen, dass der Touchscreen überall reagiert.

Ein gebrochenes Display ist der teuerste Schaden, den ein Smartphone haben kann. Ein kleiner Kratzer ist dagegen meist nur ein Preisargument. Fragen Sie den Verkäufer, ob das Display original ist. Bei manchen gebrauchten Geräten wurde das Display schon einmal durch ein billigeres Ersatzteil ersetzt, das Farben anders darstellt und Berührungen weniger präzise erkennt. Prüfen Sie auch den Rahmen, die Tasten und den Ladeanschluss. Ein Gerät mit vielen Dellen und Kratzern ist wahrscheinlich öfter gestürzt, auch wenn das Display heil ist.

Kamera

Testen Sie vor dem Kauf die Frontkamera und die Kameras auf der Rückseite, indem Sie Fotos bei Tageslicht und bei schwachem Licht machen und prüfen, ob die Bilder scharf sind. Zeigt sich auf jedem Foto derselbe Fleck, ist die Linse verschmutzt oder verkratzt. Prüfen Sie auch, ob alle Objektive funktionieren, falls das Modell mehrere Kameras hat, und ob Videoaufnahmen und Zoom einwandfrei arbeiten.

Speicher, Updates und Rechnung prüfen

Speicher

Der Speicherplatz ist bei den meisten Smartphones nicht erweiterbar. Prüfen Sie vor dem Kauf, wie viel Speicher das Gerät hat und ob das für Ihre Fotos, Apps und Videos reicht. Ein Gerät mit 64 GB ist heute schnell voll, wenn Sie viele Fotos aufnehmen oder Spiele installieren. Modelle mit 128 GB oder mehr geben mehr Luft. Bei manchen Android-Geräten lässt sich der Speicher mit einer microSD-Karte erweitern, bei iPhones ist das nicht möglich.

Updates

Die Software-Unterstützung entscheidet darüber, wie lange das Gerät sicher und aktuell bleibt, denn jedes Smartphone erhält nur für einen begrenzten Zeitraum Updates vom Hersteller. Ältere Modelle bekommen irgendwann keine neuen Android- oder iOS-Versionen mehr und auch keine Sicherheitsupdates. Für Online-Banking und andere sensible Apps ist ein Gerät ohne aktuelle Sicherheitsupdates ein Risiko.

Fragen Sie den Verkäufer, welche Android- oder iOS-Version installiert ist, und prüfen Sie auf der Herstellerwebsite, bis wann das Modell Updates erhält. Ein Gerät, das schon mehrere Jahre alt ist, sollte zumindest noch Sicherheitsupdates bekommen. Wenn der Hersteller das Modell nicht mehr unterstützt, sollten Sie den Kauf gut überdenken.

Rechnung

Eine Rechnung oder ein Kaufbeleg ist bei einem Gebrauchtkauf mehr wert als ein Stück Papier. Sie dokumentiert, wann und wo das Gerät gekauft wurde, erleichtert den späteren Weiterverkauf und lässt außerdem die Herkunft des Geräts nachvollziehen. Fragen Sie den Verkäufer nach der Originalrechnung und vergleichen Sie die IMEI auf der Rechnung mit der Nummer im Gerät. Die IMEI, die eindeutige Gerätenummer, finden Sie über die Eingabe von *#06#.

Zubehör, Rückgabe und sichere Übergabe

Zubehör

Originales Zubehör erhöht den Wert eines Gebrauchtgeräts. Ein Ladegerät, ein Kabel und die Originalverpackung sind nützlich, aber nicht selbstverständlich, denn viele Verkäufer geben nur das Gerät ab. Fragen Sie vor dem Kauf, was im Lieferumfang enthalten ist. Fehlt das Ladegerät, müssen Sie ein passendes Netzteil dazurechnen. Ein Gerät mit Originalverpackung und Rechnung lässt sich später außerdem leichter weiterverkaufen.

Rückgabe

Klären Sie die Rückgabemöglichkeit, bevor Sie bezahlen. Refurbished-Händler geben Käufern in der Regel eine Rückgabefrist. Bei privaten Verkäufern ist eine Rückgabe dagegen unüblich, deshalb müssen Sie das Gerät dort vor Ort gründlich prüfen. Schließt der Verkäufer eine Rückgabe aus, ist das bei Privatverkäufen üblich. Fällt Ihnen ein Mangel auf, ist das ein Grund, den Preis anzupassen.

Sichere Übergabe

Treffen Sie sich für die Übergabe an einem öffentlichen Ort und nehmen Sie sich Zeit für die Prüfung. Lassen Sie sich das Gerät eingeschaltet zeigen und gehen Sie die wichtigsten Punkte durch, bevor Sie bezahlen. Der Verkäufer sollte alle Konten abmelden und das Gerät zurücksetzen, am besten direkt bei der Übergabe. Vergleichen Sie außerdem die IMEI im Gerät mit der auf der Verpackung und der Rechnung. Bei einem Versand wählen Sie eine Zahlungsart, die Sie im Streitfall schützt, und dokumentieren Sie den Zustand des Geräts mit Fotos.